zusammengetragen von Jürgen Fränzel

 

Im Jahre 1905 entschlossen sich einige Vogelzüchter, welche in dem damaligen Kleintierzüchterverein 1887 vereinigt waren, unter dem Namen "Kanaria 1905 Pirmasens" einen eigenen Verein zu gründen.

Gründungsmitglied war unter anderem Ludwig Tretter, von dem später noch die Rede sein wird.

Der Verein wurde bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 vom Pirmasenser Kaufmann Willmuth, welcher in der Gärtnerstraße in Pirmasens wohnte, geführt.

Aus diesen Anfängen ist uns überliefert, dass der Verein sich bereits im Jahr 1913 um die einheimische Vogelwelt kümmerte und zu deren Gunsten eine Verlosung durchgeführt wurde!

Dies belegt unter anderem der Antrag, welcher dem Verein vorliegt, an die königliche Regierung der Pfalz mit der Bitte um die Genehmigung dieser Verlosung.

Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde die Vereinstätigkeit unterbrochen, jedoch nach Beendigung des Krieges sofort wieder aufgenommen.

Hier kommt nun wieder eines der wichtigsten Mitglieder unseres Vereines ins Spiel: LUDWIG TRETTER 

Ludwig Tretter auf einer Postkarte des Weltbundes und sein Lehrbuch für Gesangskanarien


Ludwig Tretter war Hilfsschullehrer in Pirmasens und gründete den Verein 1918 wieder. Bereits im Jahr 1908 schrieb er sein "Lehrbuch für Gesangskanarienzüchter, Preisrichter und Vereine".

Dieses Buch, welches unter den Züchtern nur kurz "Tretters Lehrbuch" genannt wird, hat die Vogelzucht revolutioniert.

Tretter gab den Züchtern zum ersten mal "gebündelt" Tipps und Vorgaben für die Zucht. So zum Beispiel über die Einrichtung des Zuchtkäfigs, die Behandlung von Krankheiten, die Anwendung der Linienzucht und vieles andere mehr. Viele dieser Vorgaben haben bis in die heutige Zeit Gültigkeit.

Schon im Jahr 1914 erschien die zweite Auflage des Buches. Diese Tatsache belegt, welchen Stellenwert das Buch schon damals hatte.

Das Buch war aber auch noch aus einem anderen, ganz besonderem Grund ungemein wichtig. Tretter erarbeitete ein System zur Bewertung des Kanarienliedes und zur Ausbildung von Preisrichtern.

Tretters Ausarbeitung war die Grundlage zur Einführung der "Einheitsskala von 1922" welche damals zunächst in Deutschland, dann in der gesamten Welt als Basis zur Bewertung des Kanarienliedes diente.

Mit einigen Veränderungen ist diese auch heute noch gültig!

Der Verein wurde unter Tretter bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges zu einer Hochburg der Gesangs-Kanarienzucht.

Im Jahr 1929 gewann Jakob Hohlweg die Goldmedaille bei der Gesangsprämierung des Weltbundes. Diesem Weltbund gehörten die Länder Frankreich, Belgien, Italien, Holland und Deutschland an.

Da diese Länder damals die führenden der Welt im Gesangskanariensport waren, ist Jakob Hohlweg als erster Weltmeister des Vereines zu nennen.

 

1939 gab es in der Vereinsgeschichte durch den zweiten Weltkrieg eine traurige Unterbrechung. Nicht nur die Menschen hatten unter dem Ausbruch des Krieges zu leiden, auch die Tiere.

Durch die plötzliche Räumung von Pirmasens konnte kaum jemand seine geliebten Vögel mit in die Evakuierung nehmen. Viele Züchter entließen ihre Vögel in die Freiheit. Die Vögel anderer Züchter gingen leider jämmerlich zu Grunde, da sie kein Futter und Wasser bekamen. 

 

Schon im Jahr 1945, gleich nach Beendigung des zweiten Weltkrieges begannen wieder einige Züchter mit der Vogelzucht. Obwohl manche Züchter kaum das Nötigste für sich selbst hatten, war die Liebe zu den Vögeln so groß, um die Zucht wieder zu beginnen.

Unter diesen schweren Umständen dauerte es dann bis zum Jahr 1952 - genauer gesagt bis zum 1. Januar 1952 - bis sich einige Züchter wieder zusammenfanden, um den Verein wieder zu gründen.

Erst die Erlaubnis des französischen Militärs machte dies möglich. Hier nun kommt eine weitere Persönlichkeit des Vereines ins Spiel: Karl Schmidt.

Karl Schmidt war nicht nur der Motor zur Wiedergründung, er war auch immer mit Herzblut bei seinem Verein.

Karl Schmidt, der selbst ein erfolgreicher Gesangskanarienzüchter war, leitete die Geschicke des Vereins hervorragend.

Unter seiner Regie richtete der Verein 1955 zum 50. Jubiläum und 1960 zum 55. Jubiläum des Vereins zwei Landesverbandsmeisterschaften aus.

Auch die züchterischen Leistungen im Gesangskanariensport wurden immer besser, was auch nicht zuletzt auf die Vereinsführung von Karl Schmidt zurückzuführen ist. Viele Landesverbandsmeistertitel konnten vom Verein errungen werden, bis dann FRANZ SCHÄFER aus Clausen der ganz große Wurf gelang. Schon lange unter Deutschlands Spitzenzüchtern holte er sich bei der Deutschen Meisterschaft 1965 in Kassel den Titel als Deutscher Meister.

 

Am 26. Februar 1966 schlossen die Vereine Kanaria 1905 Pirmasens und der Kanarienzucht und Vogelschutzverein 1892 Straßburg einen Partnerschaftsvertrag.

Viele Male nahmen seither Züchter aus Pirmasens und Umgebung an Meisterschaften in Frankreich teil. Umgekehrt konnte auch der Verein

Kanaria 1905 seine französischen Zuchtfreunde oft in der Pfalz zu sportlichen Wettkämpfen begrüßen.

Bis zum Jahr 1975 blieb der Verein ein reiner Verein für Gesangskanarienzüchter.

Züchter wie zum Beispiel Burgun, Schäfer, Butz, Schweitzer, Schmidt und Chini, um nur einige zu nennen, machten den Verein wieder zu einer Hochburg der Gesangskanarienzucht.

In eben diesem Jahr 1975 feiert der Verein auch sein 70jähriges Vereinsjubiläum.

Dabei bekennt sich OB Rheinwald als großer Vogelliebhaber und bekommt prompt einen Kanarienvogel geschenkt.

Im Jahr 1975 entschloss man sich, auch andere Zuchtrichtungen als Gesangskanarien im Verein zu unterstützen.

So fanden schnell viele Farben- und Positurkanarienzüchter eine neue Heimat. Ebenso Züchter von Waldvögeln, Mischlingen, europäischen Singvögeln, Sittichen, Papageien und Exoten.

Im Jahr 1978 gibt aus gesundheitlichen Gründen Karl Schmidt den Vorsitz des Vereines ab. Er wird zum Ehrenpräsidenten ernannt.

So wird 1978 KARL SCHWEITZER neuer Vorsitzender des Vereines Kanaria 1905 Pirmasens.

Die "Ära Schweitzer" im Verein beginnt.

 

 

 

Emilie und

Karl Schweitzer

Alles über Karl Schweitzer zu berichten würde den Rahmen sprengen! Hier deshalb nur einige "Eckdaten".

Doch eines vorweg: wenn man Karl Schweitzer sagt, muss man eigentlich im gleichen Atemzug seine Frau Emilie nennen. Sie hat Karl immer mit voller Kraft unterstützt. So ist es nicht verwunderlich, dass Emilie Schweitzer Ehrenmitglied des Landesverbandes 14 und ihres Vereines Kanaria 1905 Pirmasens ist.

Mit Fug und Recht können wir behaupten, dass Emilie Schweitzer auch heute noch der "Gute Geist", "Seele" des Vereines Kanaria 1905 Pirmasens ist!

 

Karl Schweitzer ist auf Grund seiner vielen Verdienste, nicht nur in der Vogelzucht, Träger vieler Auszeichnungen. Seine Heimatstadt Pirmasens ehrte ihn vielfach, auch ist er Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Seit 1953 war er Mitglied im Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund.

Von 1964 bis zum Jahr 1997 war Karl Schweitzer im Landesverband 14 Kassierer und Ringwart.

Von 1960 an nahm Karl Schweitzer an allen abgehaltenen Weltmeisterschaften der Vogelzüchter aktiv oder passiv teil.

Von 1969 bis 1999 waren Karl und Emilie Schweitzer die Begleiter der Deutschen Vögel zu den jeweiligen Weltmeisterschaften.

Von 1974 bis 1991 war er Präsident der Preisrichtervereinigung (OMJ) im Weltbund der Vogelzüchter.

1991 wurde er deren Ehrenvorsitzender.

1990 wurde er Ehrenmitglied des Landesverbandes 14.

1992 erhielt er die Ehrenmitgliedschaft im DKB.

Unter der Vereinsführung von Karl Schweitzer wurde der Verein auch international bekannt.

1980 konnte Ferdinand Caron einen 3. Platz bei der Weltmeisterschaft in der ČSSR gewinnen.

Im Jahr 1982 holte der damals 13-jährige Schüler Jürgen Fränzel aus Rodalben gar den Weltmeistertitel in Belgien.

Somit kommen zum zweiten Mal Weltmeisterehren nach Pirmasens.

Nachdem 1978 und 1980 erneut zwei Landesverbandsmeisterschaften ausgerichtet wurden, folgte im Jahr 1984 der Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte!

Der Verein Kanaria 1905 Pirmasens richtete unter der Leitung von Karl und Emilie Schweitzer die 32. Vogelweltmeisterschaft und angegliedert die Deutsche Meisterschaft aus.

Rund 15.000 Vögel aus aller Herren Länder waren in den Messehallen zu Pirmasens zu Gast. Rund 40.000 Besucher hatte die Schau zu verzeichnen.

Sehr viele Zeitungsberichte und auch andere Medien, wie zum Beispiel

der Südwest-Rundfunk, berichteten damals über die Weltmeisterschaft in Pirmasens.

Ohne Karl Schweitzer wäre diese Schau in Pirmasens wohl nicht möglich gewesen. So nahm er zum Decken der Unkosten im Vorfeld der Schau eine Hypothek auf sein eigenes Haus auf. Während der Schau musste Karl dem vielen Stress Tribut zollen und kam schwer krank auf die Intensivstation des Krankenhauses. Er brauchte lange, bis er sich wieder erholte.

Als Aussteller bei dieser Schau traten Erich Göller aus Thaleischweiler und Johann Becker aus Donsieders hervor. Erich Göller holte bei dieser Weltmeisterschaft eine Silbermedaille. Johann Becker wurde sogar Weltmeister.

 

 

Johann Becker mit

Weltmeister "Hansi"

Johann Becker holte somit den dritten Weltmeistertitel für den Verein.

Doch sei hier auch angesprochen, dass die Weltmeisterschaft in Pirmasens nicht nur positive Seiten für den Verein hatte.

Nach der Durchführung dieser WM kehrten sehr viele Züchter dem Verein aus

verschiedenen Gründen den Rücken und gründeten einen neuen Verein.

 

Doch der Verein Kanaria 1905 Pirmasens lebte weiter. Und wie!

 

Zwischen 1984 und 2000 holten die Züchter des Vereines mehrere Landesverbandsmeisterschafts-Siege, Deutsche-Meistertitel, Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften und auch Vize-Weltmeistertitel!

Deutscher Meister wurden: Ferdinand und Maria Caron, Rosi Philipp, Fritz Leis, Günter Butz, Jürgen Fränzel sowie Robert und Elmar Büffel.

Bronze-Medaillen bei Weltmeisterschaften holten: Ferdinand Caron, Rosi Philipp, Emil Fränzel, Renate und Fritz Leis, Emilie und Karl Schweitzer, Jürgen Fränzel und Klaus Grimme.

Vizeweltmeister wurden: Erich Göller, Jürgen Fränzel, Fritz Leis und Klaus Grimme.

Unsere Mitglieder Klaus Grimme, Hans und Rosi Philipp sowie Daniel und Andreas Hoffmann, die auch verstärkt auf AZ-Ebene ausstellen, sind dort als Aussteller ebenfalls sehr erfolgreich.

Sie holten bei AZ-Meisterschaften mehrere Meistertitel auf Landes- und Bundesebene. 2003 wurde Klaus Grimme sogar zum "Ehrenchampion" der AFZ ernannt.

Im Jahr 1995 feierte der Verein sein 90-jähriges Bestehen.

Im Jahr 2000 beginnt eine "Neue Ära" im Vereinsleben!

Durch den starken persönlichen Einsatz von Friedrich Wagner aus Münchweiler schlossen sich die Vereine Kanaria 1905 Pirmasens und der Rassegeflügel-

zuchtverein Münchweiler zusammen. Unter anderem erscheint im Vogelfreund ein Bericht von Friedrich Wagner über den Zusammenschluss der beiden Vereine.

Der Verein hatte seine Heimat bis zu diesem Zeitpunkt immer in der Stadt Pirmasens, zunächst im Gasthaus "Zum Kronprinz", später dann in der

Gaststätte "Zur fröhlichen Pfalz", im Gasthaus Bahner, im "Zeppelinsbrünnchen" und zuletzt dann in der Vereinsgaststätte von Rot-Weiß Pirmasens am Sommerwald.

Neue Heimat wird das Vereinsheim des RGZV Münchweiler.

Bis zum Jahr 2001 führen Karl Schweitzer und Herbert Zimmermann den Verein gleichberechtigt.

 

 

 

 

 

                                                     Herbert Zimmermann

Im Jahr 2001 wird Herbert Zimmermann zum alleinigen Vorsitzenden gewählt.

Karl Schweitzer wird Ehrenpräsident.

In vielen Arbeitsstunden unter der Leitung von Friedrich Wagner wird das Vereinsheim auf "Vordermann" gebracht und die ersten Ausstellungen im neuen Heim durchgeführt.

Neben den Vogelzüchtern und den Rassegeflügelzüchtern finden nun auch die Meerschweinchenzüchter in Münchweiler eine Heimat.

Der Verein engagiert sich verstärkt in der Jugendarbeit.

2002 beschließt der Verein eine Patenschaft mit der Regionalen Schule in Rodalben. Initiator dafür ist der Lehrer des Wahlpflichtfaches Naturkunde Wolfram Wagner.

Es wurden vogelkundliche Wanderungen durchgeführt, Nistkasten-Aktionen gestartet und die Schulklassen zu Ausstellungen eingeladen.

Weiterer Höhepunkt in Sachen Jugendarbeit ist eine Aktion mit dem Kindergarten St. Pius in Rodalben. Die Kinder in diesem Kindergarten züchten mit Hilfe von Vereinsmitgliedern unter der Anleitung ihrer Erzieherinnen selbst junge Vögel. Doch damit nicht genug, stellt der Kindergarten diese Vögel danach auch noch erfolgreich aus. Die Erfahrungen, die diese Kinder bei der Zucht und auch beim Ausstellen sammeln konnten, werden sie sicher für das Thema Vogelzucht für den Rest ihres Lebens zugänglich machen.

Durch die Erfahrung, wie ein Vogelleben vom Schlupf bis zum Erwachsen werden verläuft, haben sie - und auch ihre Eltern - mehr Verständnis für unser Hobby.

Am 18. November 2003 stirbt der Ehrenpräsident und langjährige Kopf des Vereins Karl Schweitzer.

Das Vereinsleben geht weiter. Die Vereinsausstellungen werden attraktiv gestaltet, auch immer unter dem besonderen Aspekt der Jugendarbeit.

So praktizieren zum Beispiel die Rodalber Sittich- und Papageienzüchter Andreas und Daniel Hoffmann Vogelzucht zum Anfassen. Sie füttern ihre jungen Graupapageien während der Vogelschau zusammen mit Kindern.

Es wurden und werden auch Schulklassen zu einem Züchter während der Zuchtzeit eingeladen.

Auch hier wird aktiv Nachwuchsarbeit betrieben. Es wird den Kindern die Natur, ein Vogelleben vom Ei bis zum Ausfliegen der Jungen aus dem Nest gezeigt, die Liebe zu Tieren näher gebracht und für unser Hobby geworben.

Im Jahr 2004 gewinnt Jürgen Fränzel in der Schweiz seinen zweiten Weltmeistertitel. Es ist für den Verein bereits der vierte Weltmeistertitel.

 

Jürgen Fränzel mit

Tochter Sina

und Sohn Nils

Auch die anderen Züchter machen national und international auf sich aufmerksam. So kann zum Beispiel Günter Butz einen Deutsch-Französischen Vergleichswettkampf mit seinen Gesangskanarien für sich entscheiden.

Auch andere Aktivitäten werden vom Verein durchgeführt. So wird mehrmals ein Weinfest ausgerichtet, und das Schlachtfest des Vereins an Christi Himmelfahrt ist sicher alljährlich ein Veranstaltungshöhepunkt.

Die Vogelzüchter versuchen sich auch jährlich bei den Dorfmeisterschaften im Fußball. Obwohl der große sportliche Erfolg bis jetzt ausblieb, spielten wir doch zumindest immer eine "gewichtige Rolle", im wahrsten Sinne des Wortes.

 

2004 richtete der Verein auch zum fünften Mal die Landesverbandsschau aus.

 

Auch hier waren wieder etliche Züchter bei ihrem "Heimspiel" erfolgreich. So zum Beispiel: Dieter Schmidt, Klaus Grimme, Otto Schacker, Peter Kupper, Andreas Hoffmann, Rosi Philipp, Günter Butz und Günter Pfeifer.

Der Verein stellte gleich mehrere Verbandsmeister. Dieter Schmidt, Klaus Grimme und Otto Schacker gewinnen für den Verein sogar die Meisterschaft der Vereine der Sparte Farbenkanarien.

Die Gesangszüchter Günter Pfeifer, Günter Butz und Friedrich Wagner holen den Pokal für den besten Verein der Sparte Gesangskanarien.

Im Jahr 2005 wurde der Verein Kanaria 1905 Pirmasens 100 Jahre alt.

Der Verein richtete die Landesverbandsschau im Dezember zum sechsten Mal aus.